„Immer weniger Redakteure müssen immer mehr leisten“

Diskussionsveranstaltung der Ortsverbände von DJU und DJV in Darmstadt versammelte prominente Teilnehmer: Unter der Leitung von ECHO-Redakteur und Darmstädter Turmschreiber Paul Hermann Gruner diskutierten die frühere stellvertretende Ministerpräsidenten Ruth Wagner (FDP), die Journalistin Petra Neumann-Prystaj, Andre De Stefano von der Piratenpartei, der Kabarettist Peter Jörg Hoffmann und der Publizist Alexander U. Martens.

Darmstadt, 02. Juli 2013 – Um die Zukunft der Tageszeitung und des Qualitätsjournalismus ging es bei einer Diskussionsveranstaltung der Ortsverbände von DJU und DJV in Darmstadt. Das Fazit: Wie die Zukunft der Tageszeitung aussieht, weiß niemand so genau. Sicher ist aber, dass nur jene Zeitungen noch Leser haben werden, die auf Qualität setzen. Das Podium, geleitet von ECHO-Redakteur und Darmstädter Turmschreiber Paul Hermann Gruner, war hochkarätig besetzt. Dort diskutierten die frühere stellvertretende Ministerpräsidenten Ruth Wagner (FDP), die Journalistin Petra Neumann-Prystaj, Andre De Stefano von der Piratenpartei, der Kabarettist Peter Jörg Hoffmann und der Publizist Alexander U. Martens.

Alle Podiumsteilnehmer wollen auf die gedruckte Zeitung nicht verzichten, gehen jedoch anders damit um. Andre De Stefano besorgt sich seine Informationen vor allem aus dem Internet und möchte sie auch weiterhin kostenlos haben. Er sei darüber hinaus jedoch regelmäßiger Leser des „Stern“, während Tageszeitungen ihm vom Format her zu groß seien. Die anderen Podiumsteilnehmer hatten schon als Jugendliche Kontakt zu Tageszeitungen und wollen sie als seriöse Informationsquelle nicht missen.

„Die Zeitungsverleger haben aus den Augen verloren, was eine Zeitung ausmacht“, beklagte Peter Jörg Hoffmann. Rabattaktionen, Reiseangebote und andere Aktionen, um neue Leser zu gewinnen, hätten in einer Tageszeitung nicht zu tun. Ebenso beklagte er die ständigen Umfragen einzelner Redaktionen zu diversen Themen. „Da wird zu viel geblubbert“, was Stammleser schnell verärgern könne. Zeitungen sollten sich auf journalistische Inhalte rückbesinnen und ihre Redakteure ordentlich bezahlen.

Alexander U. Martens wundert sich manchmal, wie schnell er eine Zeitung gelesen hat. Deshalb schnell, weil vieles drinsteht, was ihn nicht interessiert. Auf der anderen Seite müsse man sich fragen, wie lange sich Zeitungen angesichts sinkender Erlöse Qualität noch leisten könnten. „Was mit den Mitarbeitern passiert ist einfach unsozial“, sagte Ruth Wagner mit Blick auf den Darmstädter Zeitungsverlag, der neue Mitarbeiter nur noch über eine tariflose Gesellschaft einstellt.

Der tägliche Informationshunger nach neuen Nachrichten werde durch die Informationsvielfalt durch die neuen Medien viel besser als früher befriedigt, betonte Andre De Stefano. Die Tageszeitung von heute ist für ihn ein Auslaufmodell. Er kann sich vorstellen, dass Zeitungen ein- oder zweimal pro Woche die besten Nachrichten aus dem Netz ziehen, diese bündeln und mit Hintergrundinformationen anreichern. Er erwartet jedoch auch von den Nachrichten im Internet Qualität. „Die Gesellschaft muss sich auch in Zukunft gut bezahlbare Journalisten leisten.“

Ruth Wagner appellierte an die Schulen, Schülern Medienkompetenz zu vermitteln und sie an die Tageszeitungen heranzuführen. Peter Neumann-Prystaj verwies auf die immer größer werdende Arbeitsbelastung in den Redaktionen. Immer weniger Redakteure müssten immer mehr leisten. Peter Jörg Hoffmann beklagte, der Grundsatz, dass gute Arbeit gut bezahlt werden müsse, sei bei den Zeitungsverlegern verloren gegangen. Das Redakteure immer schlecht bezahlt würden, gebe es in keinem anderen akademischen Beruf.

Einig waren sich die Teilnehmer über die Bedeutung einer freien Presse in einer demokratischen Gesellschaft. Deshalb müsse bei angedachten neuen Finanzierungsmodellen immer die Unabhängigkeit der Zeitungsverlage im Vordergrund stehen. (HDE)

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