Immer weniger Männer werden Journalisten

Mediendienst kress veröffentlichte einen Gastbeitrag von Martin Kunz, Direktor der Akademie der Bayerischen Presse, der auf ein erstaunliches Phänomen stieß.

Wiesbaden, 16. Januar 2014 – Zu den typischen Frauenberufen fällt uns Krankenschwester und Erzieherin ein – verantwortungsvolle und körperlich wie psychisch belastende Berufe. Leider jedoch so schlecht bezahlt, dass sich ein Mann dreimal überlegt, in diese Berufe einzusteigen. Sind da mittlerweile Parallelen zum Journalismus zu finden? So weit reichten die Ausführungen des Direktors der Akademie der Bayerischen Presse, Martin Kunz, nicht.

Kunz viel beim Anlegen einer Namensliste für ein Weiterbildungsseminar allerdings auf, dass es sich um einen nur von Frauen belegten Kurs handelte, obwohl der  Zwei-Tages-Social Media-Crashkurs kein offensichtlich frauenspezifisches Thema war. Ein Einzelfall? Nein, denn bald darauf kam ein weiteres Seminar mit dem Titel „Online-Texten", ebenfalls nur von Frauen gebucht, zustande und viele weitere sollten folgen. Kunz nahm dies zum Anlass, folgende Fragen zu stellen: „Ist Fortbildung reine Frauensache? Oder gar der ganze Journalismus?"

Insgesamt seien von den 2.110 Akademie-Kursteilnehmern im Jahr 2013 fast 71% weiblich und 29% männlich gewesen. Als die Akademie 1986 gegründet wurde, habe  es unter den Kursteilnehmern noch einen Männerüberschuss gegeben. Zur Jahrtausendwende seien bereits deutlich mehr Frauen (57 %) als Männer (43 %) in die Akademie gekommen, im Jahr 2006 habe das Verhältnis schon bei 64% Frauen zu 36% Männern gelegen und die Jahresbilanz 2013 schreibe den Trend fort: 71 % zu 29%. Das systematische Verschwinden der Männer ließe folgende, mathematisch korrekte, Prognose zu: Im Jahr 2042 werde der letzte männliche Redakteur einen Fortbildungskurs besuchen.

Denn auch der Nachwuchs sei überwiegend weiblich, stellte Kunz fest: Von den jährlich über 150 Volontären, die ihre journalistische Grundausbildung in der Akademie erhielten, seien zwei Drittel Frauen und nur ein Drittel sei männlich. Im Übrigen verfügten die Volontärinnen mehrheitlich über einen Hochschulabschluss und seien demnach sehr gut ausgebildet.

Demnach sollte zu erwarten sein, dass in den nächsten Jahren auch die Chefsessel in den Redaktionen von den dann gut ausgebildeten Redakteurinnen besetzt werden. Oder handelt es sich dann wieder um ein anderes Phänomen? (sl)

Der Gastbeitrag von Martin Kunz ist bei Mediendienst kress nachzulesen unter: kress.de/mail/alle/detail/beitrag/124561-gastbeitrag-von-martin-kunz-immer-weniger-maenner-werden-journalisten.html



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