Verlagsbranche verliert seit Jahren tausende Stellen

Seit 2006 wurden in Verlagen mehr als 40.000 Stellen gestrichen, trotzdem verdoppelte sich die Rentabilität der Branche.

Wiesbaden, 17. Januar 2014 – Der Jenaer Medienökonom Prof. Dr. Wolfgang Seufert hat auf Basis der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung des Statistischen Bundesamtes (VGR) eine statistische Analyse durchgeführt. Diese Untersuchung, die Seufert exklusiv für eine Jubiläumsausgabe der Fachpublikation „MedienWirtschaft. Zeitschrift für Medienmanagement und Medienökonomie" erstellt hat, gibt auch – teils erstaunliche – Auskünfte über die Lohn- und Rentabilitätsentwicklungen in den Medienteilbranchen Film-/TV und Rundfunk, Verlagswesen, Werbung und Druck.

So sei die lang erhoffte Stärkung der Medienwirtschaft  zu einem vitalen Wachstumssektor im Zuge der IT-Revolution nicht erfolgt. Vor allem seit 2001 sei der Anteil der Medienbranche an der Wertschöpfung der gesamten deutschen Wirtschaft von rund 2 Prozent auf nur noch 1,8 Prozent gefallen.

Die Verluste seien zum einen darauf zurückzuführen, dass sich der Anteil der Ausgaben für Medieninhalte am gesamten Konsum in Deutschland auch aufgrund der Gratiskultur im Internet seit 2001 merklich verringert habe und zum anderen die Werbeeinnahmen der Medien in dieser Zeit um rund 2,5 Milliarden Euro eingebrochen seien. Zudem verlor seit 1991 und bis 2011  in der Druckindustrie wie in der Verlagswirtschaft eine beträchtliche Zahl an Beschäftigten ihren Arbeitsplatz. In den Verlagen fielen rund 85.000 Stellen weg, wobei fast die Hälfte der Verluste allein in den letzten fünf Jahren angefallen sei, nämlich in der Phase der sich verschärfenden Marktkonsolidierung insbesondere bei den Zeitungsverlagen.

Ein medienpolitisch brisantes Detail sei dabei, dass die Rentabilität der Medienunternehmen gleichzeitig seit 2006 stark angestiegen sei: Die Verlagsüberschüsse hätten sich seitdem insgesamt mehr als verdoppelt. Die Gründe hierfür lägen in einem im Vergleich zur Gesamtwirtschaft unterdurchschnittlichen Anstieg der Lohnkosten und in einer gleichzeitig steigenden Pro-Kopf-Produktivität aufgrund des umfangreichen Stellenabbaus. 

Die Abhandlung von Prof. Dr. Wolfgang Seufert ist unter dem Titel „Die deutsche Medienwirtschaft: Wachstums- oder Krisenbranche?" in Ausgabe 4/13 zum zehnjährigen Jubiläum der Fachzeitschrift MedienWirtschaft erschienen.

In einem Interview des Mediendienstes kress spricht Medienökonom Prof. Dr. Wolfgang Seufert zudem auch über Gründe und Konsequenzen des Themas – und verrät, in welchem Teil der Medienwirtschaft am besten verdient wird und dass es vor allem um die Lokalmedien kritisch stehe.

kress.de/mail/alle/detail/beitrag/124604-medienoekonom-wolfgang-seufert-im-interview-lokalmedien-sind-stark-gefaehrdet.html

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