Wie die Printmedien mit dieser Herausforderung umgehen, wollten die Mitglieder des Kasseler Presseclubs vom Bundesvorsitzenden des Deutschen Journalisten Verbands (DJV), Michael Konken, und von Verleger Dirk Ippen (Hessische-Niedersächsische Allgemeine, Münchner Merkur u.a.) wissen.
Die Lokalzeitung hat eine Zukunft. Darin waren sich Michael Konken und Dirk Ippen einig. Für den Fortbestand des lokalen Mediums spreche seine große Tiefe. „Rund 1500 Lokalredaktionen in Deutschland sind das Rückgrat. Das bietet kein anderes Medium", sagte Deutschlands fünftgrößter Verleger. „Die Zukunft ist das Lokale!", versicherte Michael Konken. Allerdings müßte der Lokaljournalismus mehr in die Tiefe gehen, also noch lokaler und besser recherchiert werden, um treue Leser zu überzeugen und neue Kunden zu gewinnen, forderte Konken.
Als größte Herausforderung für den Journalismus betrachteten die beiden Experten das Internet mit seinen grenzenlosen Möglichkeiten zu kommunizieren. „Eigentlich braucht man keinen Verleger mehr. Wir sind in einem Zeitalter, in dem jeder mit jedem kommunizieren kann. Das hat die Lage grundlegend verändert", bilanzierte Ippen nüchtern. Gerade deshalb sei guter Journalismus heute wichtiger denn je, meinte Konken. „Denn wie garantieren wir sonst, dass das, was im Netz steht, seriöse Nachrichten sind?"
Und die Einnahmeseite? Dass staatsfinanzierte Zeitungen ein großes Unglück für den unabhängigen Journalismus bedeuten würden, darin waren sich die beiden Männer völlig einig. Auch die ständige Erhöhung des monatlichen Abo-Preises sei keine Lösung. „Für eine Lokalzeitung ist bei 30 Euro Schluss", sagte Konken. Vielversprechendere Geldquellen könnten indes Stiftungen oder das im angloamerikanischen Raum bereits verbreitete Crowdfunding sein. „Wir müssen quer denken, um Lösungen zu finden", forderte Konken. Und er rief die Politiker auf, sich Gedanken zu machen, denn: „Irgendwann wird die Politik merken, dass sie ihr Medium verliert".
Klar ist auch: Mit Werbebannern im Netz allein läßt sich keine Zeitungsredaktion finanzieren. Derzeit erwirtschafte die HNA vier Prozent ihrer Einnahmen durch Werbung im Internet, erläuterte Ippen, der die große Reichweite des World-Wide-Web durchaus als Chance und nicht nur als Bedrohung sieht. „Wir haben Millionen von Zugriffen auf die Zeitungen wegen des Internet". Er sei nicht total pessimistisch, auch wenn die Verdienstmöglichkeiten bislang nur ein „bescheidenes Rinnsal" seien. Der Verleger kündigte an, dass Online-Leser seiner Zeitungen wohl bald gebeten würden, sich zu registrieren. Mit dem Datenmaterial könne der Verlag seine Nutzer dann ganz direkt ansprechen, Werbung gezielt schalten. „Das sind ganz andere Dimensionen als Bannerwerbung", sagte Ippen und verwies auf Google und Amazon. Ihm sei klar, dass dies ein großer Schritt sei, der mit Vorsicht gemacht werden müsse.
Susanne Scheerer-Maaß

