Wetzlar. Die Medienlandschaft im Lahn-Dill-Kreis ist im Umbruch. Das beschäftigte am 15. April die Mitglieder des Deutschen Journalistenverbandes (DJV) Lahn-Dill, die zur Jahreshauptversammlung in Wetzlar gekommen waren. Die veränderte Situation in den Verlagshäusern an Lahn und Dill war eines der Themen an diesem Abend.
Einer der schon viel Wandel in der Medienwelt erlebt hat, ist Wolfgang Scheer. Der Vorsitzende des DJV-Bezirksverbandes Lahn-Dill, Klaus-Peter Andrießen, ehrte den 84-jährigen Journalisten, der sich regelmäßig zu den Sitzungen auf Orts-, Landes- und Bundesebene des DJV einfindet, für seine langjährige Mitgliedschaft. Seit nunmehr 65 Jahren ist Scheer dem DJV treu und gehört somit zu den Mitgliedern, die bundesweit am längsten dazugehören. „Wolfgang Scheer ist ein Mann der ersten Stunde, ebenso im DJV wie bei der Wetzlarer Neuen Zeitung, die zu Zeiten seines Berufseintritts vom dreimal wöchentlich erscheinenden Heimatblatt zur Tageszeitung mit Vollredaktion wurde – und bis heute geblieben ist“, sagte Andrießen.
Die Wetzlarer Neue Zeitung blieb in der Jahreshauptversammlung des DJV Bezirksverbandes das Thema Nummer eins. Viele Kollegen befürchteten einen Austritt des Verlages aus dem Tarifverbund, sagte Klaus-Peter Andrießen. Man müsse nun abwarten, was aus den Tarifverhandlungen zwischen den Gewerkschaften und den Zeitungsverlagen werde. Der DJV hoffe auf einen erfolgreichen Abschluss für die Kolleginnen und Kollegen in den Redaktionen.
Besonders die Umbrüche im nördlichen Lahn-Dill-Kreis hätten die Kolleginnen und Kollegen der Wetzlarer Neuen Zeitung und der Dill-Zeitung im vergangenen Jahr beschäftigt. Dort wurden Ressorts zusammengelegt und gleichzeitig zwei Redakteursstellen im Dillenburger Verlagshaus Weidenbach gestrichen. Die Fortführung und Vertiefung dieser Zusammenarbeit sei abzusehen. Die Mitglieder des Bezirksverbandes sehen dies mit großer Sorge, da weitere Stellenstreichungen folgen könnten und sich dadurch die Qualität der Berichterstattung verschlechtere.
Klaus-Peter Andrießen griff diesen Gedanken auf und sprach in seinem Jahresbericht über intensive Sparbemühungen des Verlages: „Wie angesichts dieses Spardiktats noch genügend hochwertige Beiträge für die Zeitung zustandekommen sollen, ist nicht erkennbar. Klar ist aber, dass ohne entsprechende Inhalte der Abschwung, der aus vielen Gründen auch diese Zeitungsgruppe getroffen hat, nur noch schneller vonstattengehen dürfte.“ Neben der Kürzung der Honorartöpfe müssten auch talentierte und nachgewiesenermaßen erfolgreiche junge Kolleginnen und Kollegen erleben, dass ihre befristeten Verträge nicht mehr verlängert würden, so die Kritik des Vorsitzenden.
Der 2. Vorsitzende des Bezirksverbandes Lahn-Dill, Maurizio Gemmer, brachte die Versammlung auf den neuesten Stand der Verhandlungen um bessere Honorare für die freien Mitarbeiter der Wetzlarer Neuen Zeitung. Leider seien diese Verhandlungen - möglicherweise wegen des Konzeptes des neuen Geschäftsführers - ins Stocken geraten. Das sei um so mehr zu bedauern, weil sich Chefredakteur Uwe Röndigs noch vor eineinhalb Jahren sehr offen für bessere Honorare der festen freien Mitarbeiter gezeigt habe.
In Sachen Mitgliederzahlen steht der Bezirksverband laut Andrießen gut da. Die Mitgliederzahl habe sich im Jahr 2013 kaum vermindert. Trotzdem müsse der Verband seine Anstrengungen intensivieren, mehr Mitglieder zu gewinnen. Derzeit sind 68 Journalisten im DJV Lahn-Dill organisiert.

