DJV diskutiert mit Mitgliedern Tarifergebnis Tageszeitungen
Berlin, 28. April 2014 – Der Deutsche Journalisten-Verband wird mit seinen Mitgliedern in den Zeitungsverlagen das Tarifergebnis diskutieren, das am 24. April mit den Zeitungsverlegern erzielt wurde. Das beschloss am heutigen Montag der DJV-Bundesvorstand in Berlin. Die Diskussionsveranstaltungen sollen in Zusammenarbeit mit den Landesverbänden des DJV in Kürze organisiert werden. „Das mit dem BDZV erreichte Tarifergebnis sichert die Flächentarifverträge, fordert den Journalistinnen und Journalisten dafür aber einen Preis ab“, sagte DJV- Bundesvorsitzender Michael Konken. Darüber gelte es zu reden. „Wir suchen das Gespräch mit den Kolleginnen und Kollegen“, sagte DJV- Verhandlungsführer Kajo Döhring, „um Fragen individuell zu beantworten.“
Orte und Termine werden jetzt ermittelt. Über das Tarifergebnis wird der DJV-Gesamtvorstand als Große Tarifkommission am 16. Juni entscheiden. Die Erklärungsfrist der Tarifparteien zu dem Verhandlungsergebnis endet am 30.
Juni.
Berlin, 25. April 2014 - DJV- Verhandlungsführer Kajo Döhring erläutert das Verhandlungsergebnis
Liebe Kollegin,
lieber Kollege,
nach über 25-stündigen Verhandlungen lag am Donnerstagmittag ein Tarifergebnis für die 14.000 Journalistinnen und Journalisten an Tageszeitungen vor. Es ist kein Resultat, über das in der DJV-Tarifkommission Jubel ausgebrochen ist. Es ist aber auch kein Ergebnis, das bei den Verlegern die Sektkorken knallen ließ. Wer sich in den zurückliegenden Monaten intensiver mit den schwierigen Verhandlungsrunden beschäftigt hat, weiß, dass dieses Ergebnis seinen Wert auch darin hat, die Konditionen über Flächentarifverträge mittelfristig zu sichern und sie mit verantwortbaren Zugeständnissen auch der nächsten Generation in den Redaktionen zu erhalten. Über die Eckpunkte haben wir bereits unmittelbar nach der elften Tarifrunde informiert.
Diese Tarifverhandlungen waren geprägt von einem harten Abwehrkampf, den wir gegen immer neue und oft überzogene Forderungen der Zeitungsverleger führen mussten. Ich erinnere an die Kopplung der Journalisteneinkommen an die regionale Kaufkraft, ich erinnere an das BDZV-Forderungspapier, das viele Kolleginnen und Kollegen zu Recht als „Tarifwerk Zumutung“ abgelehnt haben. Und ich erinnere an die unübersehbaren Schwierigkeiten innerhalb des Verlegerlagers, überhaupt noch eine tragfähige Mehrheit für einen Tarifkompromiss zu organisieren. Diesem Kompromiss haben wir zugestimmt – nicht mit Freude, aber auch nicht mit schlechtem Gewissen.
Ja, richtig ist, dass die künftigen Berufseinsteiger bei den Zeitungsverlagen schlechter gestellt sind als ihre Kollegen früherer Jahrgänge. Aber sind sie schlechter dran als Jungredakteure bei Privatradios und Medienunternehmen, die das Wort Tarifvertrag in ihren Verträgen vergeblich suchen? 30 Tage Urlaub, ein Einstiegsgehalt von 3.032 Euro, 13,5 Monatsgehälter pro Jahr und mit der Teilnahme an der Presse-Versorgung eine attraktive Altersversorgung – das sind wirklich gute Bedingungen für junge Journalistinnen und Journalisten.
Die Zeitungsverlage schreiben immer noch schwarze Zahlen, aber Auflagen und Anzeigengewinne bröckeln kontinuierlich. Keine Sorge, ich gehe nicht dem seit über einem Jahrzehnt inflationär eingesetzten Weltuntergangsszenario des BDZV auf den Leim. Aber auch wir Gewerkschafter dürfen nicht die Augen davor verschließen, dass das „Geschäftsmodell Zeitung“ ganz neu ausgerichtet werden muss. Die daraus resultierende Verunsicherung hat massive Auswirkungen auf den Verband der Verleger. Die jahrzehntelang im Wortsinn geübte Sozialpartnerschaft steht zunehmend in Frage, was zeitweise die einzelnen Tarifrunden überschattet. So stark wie 2013/14 waren die Fluchttendenzen einzelner Verlage aus den Tarifverträgen noch nie. Entsprechend schwierig war es, mit BDZV-Vertretern zu einem Ergebnis zu kommen, die eigentlich nur eine Ansammlung von Einzelinteressen bildeten.
Was wäre die Alternative? Die Streikkasse des DJV ist gut gefüllt und hätte eine längere Auseinandersetzung verkraftet. Aber Streiks haben immer neue Verhandlungen zum Ziel und die wären – davon bin ich fest überzeugt – mit diesem Verlegerverband in seiner jetzigen Verfassung nicht mehr möglich gewesen. Für Verhandlungen auf regionaler Ebene hätten die Landesverbände des BDZV erklärtermaßen nicht zur Verfügung gestanden. Also wären Tarifverhandlungen mit einzelnen Verlagen die letzte verbleibende Möglichkeit. Die Folge wäre ein tarifpolitischer Flickenteppich. Denn, das ist ein offenes Geheimnis: Die gewerkschaftliche Power von DJV und dju ist nicht in jedem Verlag gleich stark ausgeprägt.
Eine bittere Pille mussten wir mit der Absenkung von Urlaubs- und Weihnachtsgeld schlucken, die aber auf fünf Jahre gestreckt werden konnte. Für die norddeutschen Bundesländer außer Hamburg soll das aber schon in zwei Schritten mit dem nächsten Weihnachtsgeld und dem dann folgenden Urlaubsgeld geschehen. Vor dem Hintergrund bereits durchgeführter und angekündigter Tarifflucht von Verlagen aus der Region und der in der Umsetzung befindlichen Umwälzungen bei den Madsack-Titeln steht hier jedoch die Frage im Raum, ob wir ein Sonderopfer akzeptieren oder dort doch unsere
Chance in Haustarifverhandlungen suchen sollten. Das werden wir mit den Betroffenen intensiv diskutieren. Zur Diskussion steht das Tarifwerk dann natürlich auch in der Großen Tarifkommission des DJV am 16. Juni. Die Erklärungsfrist endet am 30. Juni.
Mit der Einbeziehung der bei den Verlagen beschäftigten Onliner in die Tarifverträge haben wir eine viel zu lange praktizierte Schlechterstellung beenden können. Das Tarifwerk erkennt damit an, dass die Kollegen im Digitalbereich vollwertigen Journalismus machen, dass sie nicht weniger wert sind als ihre Print-Kollegen. Damit wird ein Kernanliegen dieser Tarifverhandlungen Wirklichkeit.
Die Tarifarbeit muss in den nächsten Jahren die schwierige Aufgabe erfüllen, eine echte Modernisierung der Tarifverträge und ihre Anpassung an die geänderte Realität der redaktionellen Arbeitsweise so zu organisieren, dass die materiellen und die praktischen Arbeitsbedingungen in den Redaktionen gut bleiben oder wieder besser werden. Dabei zähle ich weiter auf eure/Ihre Unterstützung!
Berlin, 24. April 2014 - Mit Gehaltssteigerungen in Höhe von insgesamt vier Prozent gingen am Mittag in Berlin die Tarifverhandlungen für die rund 14.000 Redakteurinnen und Redakteure an Tageszeitungen zu Ende.
Mit dem Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger vereinbarten die Gewerkschaften DJV und dju Gehaltsanhebungen von 2,5 Prozent zum 1. Mai 2014 und von 1,5 Prozent zum 1. April 2015 bei einer Laufzeit des Gehaltstarifvertrags bis 31. Dezember 2015. Für Pauschalisten und Journalisten nach dem so genannten 12a-Tarifvertrag sollen die Vergütungen zum 1. Juni 2014 und zum 1. Mai 2015 jeweils um 1,8 Prozent, maximal jedoch um 40 Euro angehoben werden.
Zugeständnisse akzeptierten die Gewerkschaften nach langwierigen Verhandlungen bei den Sonderzahlungen. Erstmals wird in diesem Jahr das Weihnachtsgeld um 0,18 Prozent reduziert, Urlaubs- und Weihnachtsgeld sinken bis Mitte 2019 jeweils um den gleichen Prozentsatz. Danach wird das Jahreseinkommen der Redakteurinnen und Redakteure bei 13,5 statt wie bisher bei 13,75 Monatsgehältern liegen. Für die Neueinsteiger in den Zeitungsjournalismus wird die Absenkung auf 13,5 Gehälter mit dem Weihnachtsgeld 2014 fällig. Gleiches gilt für die Journalisten in Norddeutschland. Die Urlaubstage sollen auf 30 Tage für Neueinsteiger gekürzt werden. Höhere Besitzstände sollen erhalten bleiben, gekoppelt an die Zusage, den jeweils nächst höheren Urlaubsanspruch noch zu erreichen. Der Umzugsurlaub wird nur noch bei dienstlich veranlassten Umzügen gewährt. Der Manteltarifvertrag soll bis Ende 2018 gelten.
Veränderungen wird die Struktur des neuen Gehaltstarifvertrags aufweisen. Für künftige Redakteure „ohne journalistische Regelausbildung“ beginnt das Gehalt bei 2.800 Euro. Die Zahl der Berufsjahrstufen wird reduziert und mit neuen Funktionsbeschreibungen versehen. Das Gehaltsspektrum reicht von 3.032 Euro im ersten bis 5.636 Euro monatlich ab dem 16. Berufsjahr für Redakteure mit Leitungsfunktion. Alle am 1. August 2013 angestellten Redakteure sollen noch eine Höhergruppierung erfahren, ehe die neue Berufsjahrstaffel bei ihnen wirkt.
Für die Redakteure, die jetzt in den Verlagen angestellt sind, vereinbarten die Tarifparteien einen Bestandsschutz. Höhere Gehälter werden sich dynamisch entwickeln.
Erfolgreich war der DJV mit seiner Kernforderung, die Onlinejournalisten in die Tarifverträge einzubeziehen. Für die bei den Zeitungsverlagen angestellten Onliner gilt der Manteltarifvertrag ab Mitte 2016. Unverändert bleibt die Dauer des Volontariats mit zwei Jahren. Allerdings sollen die Ausbildungsinhalte den veränderten Erfordernissen im redaktionellen Alltag angepasst werden.
Als Erklärungsfrist wurde der 30. Juni 2014 vereinbart.
Der DJV-Gesamtvorstand wird sich als Große Tarifkommission intensiv mit dem Verhandlungsergebnis beschäftigen. „Das ist kein Traumergebnis“, wertete DJV-Verhandlungsführer Kajo Döhring den Tarifabschluss, „sondern die einzige Möglichkeit, die Flächentarifverträge zu erhalten.“ Das heutige Verhandlungsergebnis sei ohne die Arbeitskämpfe der Kolleginnen und Kollegen in den letzten Monaten nicht denkbar gewesen. Döhring: „Dafür danke ich allen Aktiven von ganzem Herzen, die sich für die berechtigten Tarifforderungen der Zeitungsjournalisten engagiert haben.“
Der DJV wird bald über die Details des Tarifergebnisses informieren. zoe

