Der Namensgeber, Ludwig Börne, 1786 in Frankfurt geboren, war für seinen pointiert-witzigen Stil bekannt und gilt als Wegbereiter der literarischen Kritik in Deutschland. Aus seiner Feder stammen Kritiken zu Johann Wolfgang Goethe, Jean Paul, Heinrich Heine und anderen. Börne starb im Februar 1837 in Paris, wo er auf dem Friedhof Père Lachaise beerdigt wurde.
Zum großen „Impulsgeber“ seiner Zeit, Johann Wolfgang Goethe, hatte Börne ein zwiespältiges Verhältnis. Man vermutete Neid, Angst, sogar Hass. Doch konnten sich die Zuhörerinnen und Zuhörer an jenem Sonntag der Preisverleihung am Ende von Florian Illies‘ Deutungen überzeugen lassen, dass es sich stattdessen durchaus um Liebe gehandelt haben könnte – ähnlich wie in klassischen und schwierigen Vater-Sohn-Konflikten.
Für Liebhaber der deutschen Literatur war die Feierstunde ein Quell‘ kurzweiliger und dennoch wissenschaftlicher Hintergründe. So rezitierte der Schauspieler Christian Berkel bravourös eine Tischrede, die Marcel Reich-Ranicki 2003 anlässlich der Verleihung des Preises an George Steiner gehalten hatte. Laudator Dr. Martin Meyer, Feuilleton-Leiter der Neuen Zürcher Zeitung, griff den Ranicki-Faden auf und berichtete von einem ähnlichen Erlebnis, nämlich ebenfalls George Steiner vergeblich zur Mitarbeit an seiner Zeitung gebeten zu haben. Um dann aber unverzüglich zum diesjährigen Preisträger überzugehen: „So jung noch, dass es fast schon revolutionär ist.“ Meyer sieht in Illies einen „verdeckten Geschichtsphilosphen“, der bereits in seinem Roman „Generation Golf“ aufmerksam und wach die Epoche wiederspiegelte – und diese Sichtweise im neuen Roman „1913“ ebenfalls ansetzte. In Illies‘ zusammengetragenen Episoden anno 1913 blitzten Figuren wie Thomas Mann, Gottfried Benn, C.G. Jung, Sigmund Freud, Emil Nolde und Rainer Maria Rilke auf und fügten so das Epochenbild zusammen. Meyer schloss seine Rede damit, dass noch viele solcher Bücher von Florian Illies erwartet würden. Diesem Wunsch konnten sich die Gäste einstimmig anschließen. (sl)

