So auch am 17. Juni 2014 beim 10. Frankfurter Tag des Online-Journalismus, an dem sich über 100 Teilnehmende an den Diskussionen beteiligen konnten, die durch die aktuellen Themen entfacht wurden.

Jakob Augstein, Verleger und Geschäftsführer des „Freitag“, fragte in seiner Keynote zu 20 Jahren Online-Journalismus „Frisst die Medienrevolution ihre Kinder?“ und beantwortete zum Abschluss die Frage gleich selbst: „Ja, die Revolution frisst ihre Kinder – aber nicht alle.“ Ihn ärgerten die „Faulpelze und Fantasieleichen“, die noch nie auch nur eine einzige Idee gehabt hätten, aber immer andere kritisierten. Wenn früher Zeitungen nach DIN-Norm gemacht wurden, komme man damit heute nicht mehr weit. Doch immer noch gebe es Leute, die vom „Feenreich“ träumten und hofften, alles würde wieder so wie früher werden. „In Konferenzen wie diesen sucht man die Zukunft,“ sagte er, „ doch in einigen Redaktionen versucht man, die Vergangenheit zu verteidigen.“ Augstein kritisierte diese Aufbruchs-Unlust und musste feststellen, dass neben den zähen Prozessen für bezahlte Inhalte im Netz auch die Technik in vielen Redaktionen auf der Stelle trete.
Ein Beispiel für die Aufbruchs-Lust, für neue Technik und für Bezahlmodelle im Internet gab Jan-Eric Peters, Chefredakteur aller „Welt“-Titel und der „Welt am Sonntag“. „Jeder wusste, es geht uns schlecht und jeder wusste, es muss etwas getan werden,“ kommentierte er den Aufbruch der „Welt“ ins digitale Zeitalter . Doch sei die „digitale Transformation“ kein Sprint sondern ein Marathon und vollziehe sich in seiner Redaktion bereits seit 12 Jahren. Mittlerweile stehe das Digitale nach dem Motto „Online first“ im Zentrum. Eine Trennung zwischen Print und Online gebe es nicht mehr.
2012 war die „Welt“ das erste und einzige Medium, das online ein Bezahlmodell einführte. 2014 hat sie 53.000 digitale Abonnenten.
Netzökonom Holger Schmidt führte in umfassenden Statistiken anschaulich wieder einmal den Medienwandel vor Augen und forderte dazu auf, in Technik und in den Ausbau von Social Media zu investieren. Doch sei immer noch das einzige, was eine Maschine schlage, die Qualität.
Und guter Journalismus m
üsse auch gut bezahlt werden – on- und offline, fügte Karsten Lohmeyer hinzu, Chefredakteur und Geschäftsführer der Medien-Agentur Hagen+Pollmeier und Blogger. Solides journalistisches Handwerkszeug sei heute in der digitalen Welt wichtiger denn je, führte er weiter aus, auch wenn sich Journalist_innen als Marke, Verleger, Dienstleister, Unternehmer, digitaler Kurator und Innovator verstehen müssten.
Auf dem Podium standen auch Nea Matzen, Redakteurin und Planerin bei tagesschau.de, die den digitalen Werdegang der Tagesschau seit 1994 abriss, Martin Giesler, ZDF-Redakteur und Blogger, der bekannte und weniger bekannte Aggregatoren vorstellte sowie Anita Zielina, stellvertretende Chefredakteurin des Stern, die über die Priorität einer offenen Kommunikation mit den „Usern“ referierte. „Es bewahrt uns vor dem Aussterben, wenn wir auf Augenhöhe mit den Usern kommunizieren,“ und erklärte auch gleich warum, „denn die Communities sind der Küchentisch des 21. Jahrhunderts.“
Welche Kinder denn nicht gefressen würden, wurde Jakob Augstein gefragt. Er antwortete: „Die Mutigen werden nicht gefressen, die, die etwas tun.“ sl
Zum Erfolg des Krautreporter-Magazins
Bereits am 13. Juni gratulierte der Deutsche Journalisten-Verband den Initiatoren des geplanten Krautreporter-Magazins zu ihrem Erfolg: Das müsse die Diskussion zum Online-Journalismus anstoßen, sagte DJV- Bundesvorsitzender Michael Konken.
Die Krautreporter hatten bis zu diesem Tag die Zahl von 15.000 Abonnenten erreicht. „Dass dies gelungen ist, belegt das Interesse vieler Menschen an ausführlicher Hintergrundberichterstattung“, sagte DJV- Bundesvorsitzender Michael Konken.
Als „unangebracht“ bezeichnete er jedoch die von den Krautreportern aufgestellte Behauptung, dass der Online-Journalismus kaputt sei. Dies werte leider – ob gewollt oder ungewollt – die Arbeit aller Online-Journalisten ab. „Dass der Online- Journalismus, wie er derzeit in Deutschland betrieben wird, an vielerlei Stellen und Ausprägungen zu kritisieren ist, steht außer Frage“, sagte Konken. Auch der DJV weise in seinen Medien immer wieder kritisch auf diese Mängel hin. Dennoch sei es nicht zielführend, aus dieser sehr kurzgefassten Kritik daraus zu schließen, dass der Online- Journalismus kaputt sei. „Das schadet leider der letztlich sehr guten und mit Engagement betriebenen Arbeit der meisten Kolleginnen und Kollegen im Online-Journalismus.“ Nicht wenige Netz-Journalisten würden gerne anders arbeiten, wenn es denn die Rahmenbedingungen in ihren Redaktionen zuließen.
„Nicht zuletzt haben sich viele Kolleginnen und Kollegen aus dem DJV kritisch und konstruktiv mit dem Projekt Krautreporter auseinandergesetzt und dieses sogar mit einer Krautreporter-Mitgliedschaft unterstützt.“
Das große Interesse an dem Krautreporter-Magazin müsse eine Diskussion über journalistische Formate im Online-Journalismus zur Folge haben. „Ausführliche und gut recherchierte Hintergrundberichte gibt es bereits in den großen und bekannten Nachrichtenportalen. Davon brauchen wir mehr“, sagte Konken. zoe

