„Frankenberger Zeitung" wird eingestellt

Frankenberg, 15.4.2015 - Erneuter Verlust für die Presse- und Meinungsvielfalt in Hessen: Die „Frankenberger Zeitung“ wird Ende September 2015 eingestellt, bei der „Waldeckischen Landeszeitung“ wird ein radikaler Sparkurs gefahren. Von den insgesamt rund 80 Beschäftigten sollen nach den Vorstellungen der Betriebsleitung rund die Hälfte ihren Arbeitsplatz verlieren.

Letzter Arbeitstag bei der Frankenberger Zeitung soll der 30. September 2015 sein. Dann wird die Zeitung eingestellt. Foto: Mark Adel

Die Waldeckische Landeszeitung greift zu einschneidenden Sparmaßnahmen und wird die Redaktion drastisch verkleinern. Foto: Jörg Kleine

Von den gravierenden Einschnitten erfuhr die Belegschaft in einer Betriebsversammlung der Wilhelm Bing Druckerei und Verlag GmbH am 15. April 2015 vom neuen Geschäftsführer Markus Pfromm und Benjamin Schönigh, dem Vertreter der Anteilseigner (Medien Beteiligungs Gesellschaft GmbH). Es sind nach grober Schätzung des DJV Hessen 10 Redaktionsstellen bei der „Waldeckischen Landeszeitung“ und der „Frankenberger Zeitung“ betroffen. Es ist beabsichtigt, dass die „Frankenberger Zeitung“ am 30.September 2015 letztmalig erscheint.

Der Umbau des Unternehmens sei erforderlich, weil in den letzten zwei Jahren „alarmierende“ Defizite erwirtschaftet worden seien, die sich für das Jahr 2015 fortsetzten, hieß es.

Hans U. Heuser, 1. Vorsitzender des DJV Hessen, kritisierte den Verlust der Arbeitsplätze als eine unverhältnismäßige Entscheidung, deren Ursache in einer falschen unternehmenspolitischen Ausrichtung des Verlages gegen Ende der neunziger Jahre liege. Das hätten einige gut unterrichtete Beteiligte bestätigt. Heuser forderte die Verlagsleitung auf: „Versuchen Sie deshalb, den Personalabbau so gering wie möglich zu halten. Ohnehin ist die Suche nach einem neuen Arbeitsplatz in der strukturschwachen Region äußerst schwierig.“

Der DJV Hessen erwartet, dass Verlag und Anteilseigner den Sozialplan großzügig ausstatten, um den von einer Entlassung betroffenen Kolleginnen und Kollegen einen angemessenen Ausgleich für den Verlust ihrer Arbeitsplätze zu gewähren. Den Mitgliedern und dem Betriebsrat versicherte Heuser jegliche juristische Unterstützung.

Der Umbau des Unternehmens kommt für Beobachter der hessischen Zeitungsszene nicht unerwartet. Im Januar dieses Jahres hatte die Medien Beteiligungsgesellschaft in Bad Hersfeld, die mit der Zeitungsgruppe Ippen (u.a. HNA in Kassel) verbunden ist, die Anteile der Wilhelm Bing Druckerei und Verlag GmbH vom Madsack-Konzern erworben. Aufgrund der in Korbach bestehenden „Konkurrenzsituation“ der dort bisher erscheinenden Tageszeitungen war der Ableger der HNA, die auflagenschwächere „Waldeckische Allgemeine“ (Auflage ca. 5.000), bereits im März eingestellt worden. Anders die Situation in Frankenberg: Hier hat die bei Dierichs erscheinende „Frankenberger Allgemeine“ eine etwas höhere Auflage als die „Frankenberger Zeitung“ des Bing-Verlages. 

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