Kurz vor seinem 90. Geburtstag huldigte die Bergwinkelmetropole Schlüchtern ihren berühmten Sohn mit einer Ausstellung in der Synagoge.
Bürgermeister Falko Fritzsch: „Seine Fotos sind so gestaltet, dass sie alle Geschichten erzählen können. Verweile doch, du bist so schön, dieses Gefühl empfindet der Betrachter.“ Wer ist dieser freundliche und offene Gustav Hildebrand? Der Freie Journalist Hanswerner Kruse suchte in seiner Laudatio nach Antworten: „Er lehrte uns die Fähigkeit zu staunen und ging jedes Thema wie im Fieber an. Gustav Hildebrand hat Dinge durchdringen wollen. Seine Bilder haben Aura. Da ist ein Einzelkämpfer am Werk, der von der Vorbereitung bis zur Ausarbeitung alles allein meistert.“ Und alles mit Blick auf die Realität und die Persönlichkeit des Gegenüber. „Sein Thema sind die Menschen. Er hat sie niemals zum Objekt gemacht, sondern Begegnungen gesucht. Die hat er überall gefunden in seiner jahrzehntelangen Arbeit für die Scala.“ Die Ausstellung sei wie eine Zeitreise zu Modeschöpfern wie Dior, Lagerfeld oder den Kessler-Zwillingen. Schwarz-Weiß und authentisch.
Axel Häsler, Vorstandsmitglied des Deutschen Journalistenverbandes Hessen und Vorsitzender des Bezirks Hanau /Main-Kinzig, würdigte Gustav Hildebrand für seine langjährige Mitgliedschaft im DJV Hessen. Im nächsten Jahr wird Hildebrand dem Verband 60 Jahre angehören. Sein umfangreiches Archiv gehöre inzwischen zum Bestand der Deutschen Fotothek in Dresden und dokumentiere, wie sich Hildebrand mit Offenherzigkeit und liebevoller Genauigkeit für alles Schöne und Skurrile einen Namen gemacht habe. Die Bildreportage sei sein Ziel gewesen, ergänzt mit lebendigen Texten. Brillant beschrieben und recherchiert sei das ästhetische Feingefühl immer präsent gewesen.
Am 28. Juni feiert Gustav Hildebrand seinen 90. Geburtstag. „Ich habe durch die Scala viele Menschen im Ausland über die Bundesrepublik Deutschland informiert. Das erfüllt mich noch heute mit Stolz und Genugtuung“, sagte Hildebrand. Unvergessen bleibt für den Fotojournalisten die eine Runde mit der schnellsten deutschen Rennfahrerin Hannelore Werner auf dem Nürburgring. Eigentlich wollte Gustav Hildebrand ihren Gesichtsausdruck während der Fahrt festhalten. Doch nichts dergleichen geschah. „Schon der Start warf mich in den Sitz zurück. Wir schossen über den Ring, in den Kurven kreischten die Reifen hellauf. Mein Gedanke – jetzt zerfleddert es den Wagen. Angst kam auf. Ich schiele auf den Tachometer, der auf über 250 Stundenkilometer kletterte. Welch ein Erlebnis – dann wieder die Angst.“
Text/Foto: Dietmar Kelkel

