Angesichts der Veränderungen und Umstrukturierungen der Arbeit wollen sich die im Deutschen Journalisten Verband (DJV) organisierten Kolleginnen und Kollegen und auch nicht organisierte Journalisten abseits der Wettbewerbssituation der Verlage als Arbeit- und Auftragsnehmer intensiver verständigen. Man will über Sorgen, Nöte, Ungewissheiten und Perspektiven in der unklaren Entwicklung bei Tageszeitungen, Anzeigenblättern und digitalen Kanälen sprechen.
Das haben rund 45 Zeitungsleute bei einem Treffen auf Einladung des 135 Mitglieder zählenden DJV-Ortsverbands Gießen in Bürgerhaus Wieseck vereinbart. Zwar ging es im Kern um die Zukunft der Zeitungsverlage in Gießen (Gießener Anzeiger und Gießener Allgemeine Zeitung), doch seien angesichts der Situation in der Branche die Medienstandorte Wetzlar und Marburg einzubeziehen, so der Tenor. Eine Konferenz der Betriebsräte hat sich bereits etabliert.
Themen des Austausches sollen unter anderem Fragen wie die Dienstzeitregelung bei der Arbeit am zentralen News Desk oder die Regelung der Zuarbeit für digitale Medien und ihre Bedienung rund um die Uhr sein.
Nach dem Ausstieg von Verlagen aus der Flächentarifbindung für die Redakteure an Tageszeitungen wird gemeinsam erörtert, wie auf die Zweiklassengesellschaft in den Häusern ohne Tarifbindung reagiert werden kann: Während für die Älteren zum Teil heute noch der Tarifsatz aus dem Jahr 2006 weiter gilt, werden zudem jüngere Journalisten meist weit unter dem heutigen, für Arbeitgeber sogar günstigeren Tarif bezahlt. Vorrangiges Ziel soll ein gesichertes Einkommen für alle sein, von dem man auch leben und eine Altersvorsorge bestreiten kann. Gleichzeitig gefordert wird eine transparente, planbare berufliche Entwicklungsperspektive für junge Leute. Parallel müsse eine Absicherung der Honoraretats der Redaktionen erfolgen, aus denen die unverzichtbaren freien Journalisten bezahlt werden.
DJV-Geschäftsführer Achim Wolff berichtete beim Treffen von den erfolgreichen Haustarifverhandlungen bei der Oberhessischen Presse in Marburg, wo erfahrene Redakteure und ihre jungen Kollegen einen Tarif gemeinsam erstreikt haben.
Es gehe darum, solidarisch faire und gute Arbeitsbedingungen für beste journalistische Qualität in einem interessanten und gesellschaftspolitisch bedeutsamen Beruf zu erreichen, so der Gießener DJV-Vorsitzende Frank Bugge.
Text: Frank Bugge
