Bärbel Schäfer ist seit Anfang der 90er Jahre im Geschäft, seit sie ein Praktikum beim WDR machte und ARD sowie Deutsche Welle gleich dranhängte. Sie weiß, worum es geht, wenn nach der Zukunft des Journalismus gefragt wird. Auch bei den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, Schäfer hat seit 2009 ihr eigenes Talk-Format bei hr3, wird gespart und es werden hauptsächlich Freie beschäftigt. „Ja, man kann noch Journalist werden,“ sagte sie bestimmt, „aber man muss es aushalten können, dass man nicht längerfristig planen kann.“
Dennis Horn, Moderator beim WDR, hatte sich Bärbel Schäfers (fast korrekte) Wikipedia-Biografie vorgenommen und ging mit ihr die darin aufgeführten beruflichen, wenige private, Stationen durch. Schäfer wurde vor allem durch die Daily-Talkshows bekannt, Formate, durch die man sehr viel lernen kann, wie sie zugab. Gäste fielen in Ohnmacht, waren betrunken, änderten ihren Standpunkt, Scheinwerfer vielen um oder es wurde in sozialen Brennpunkten gedreht. „Dann muss man einfach weiterreden,“ lautete ihr Fazit dazu. Ihr Steckenpferd sei es natürlich, mit Fragen auf die Menschen zuzugehen und sie damit zu öffnen.
In ihrer Anfangszeit gab es bei den Rundfunkanstalten noch zahlreiche Formate, in denen man sich ausprobieren konnte, diese Rolle habe jetzt das Netz übernommen. Die Sender dagegen geben den Rahmen heute vor. Ganz klar sei auch der Karriereweg vorgegeben, den man zurücklegen müsse, um zum Beispiel die Leitung eines Senders übertragen zu bekommen. Beim hr fühle sie sich wohl und pausiere gerade vom Fernsehen. Sie bevorzuge die Abgeschiedenheit des kleinen Studios. Auf ihre Interviews bereite sie sich mit ein bis zwei Kernfragen vor und schaue dann, wie sich das Gespräch entwickle. Gerade arbeite sie an einem Buch, für dessen Recherche sie tagelang mit einer Burka durch Frankfurt gelaufen sei.
„Wo befinden sich die Medien gegenwärtig?“, wollte Horn wissen. Natürlich sehe sie, dass Kollegen „ihren Kasten mit Habseligkeiten beim Pförtner abholen“. Was sie aber mehr beunruhige sei , dass es kaum noch Solidarität unter den Freien gebe, jeder sei ein Einzelkämpfer, eine Einzelkämpferin – und so könne man ja nichts mehr ausrichten, wenn man als Belegschaft nicht gemeinsam auftreten könne.
In den Medien fehle ihr die Beschäftigung mit kulturellen Themen. Formate, die über Bücher, Filme, Ausstellungen berichteten, , wie sie zum Beispiel in Frankreich ausgestrahlt würden. Aber das wäre wohl etwas „old-fashioned“.
Einer Meinung war sie aber mit ihren Gästen mit dem Wunsch, dass die Medien endlich anfangen sollten, die junge Generation ernst zu nehmen.
„Redakteur im Verhör“ ist eine gemeinsame Veranstaltung der Hörfunkschule Frankfurt und dem Deutschen Journalistenverband in Hessen (DJV Hessen). Hier können Nachwuchsjournalisten von „alten Hasen“ lernen und sich untereinander auszutauschen. Denn ohne Kontakte geht in den Medien gar nichts. Deshalb gibt es auch nach dem „Verhör“ die Gelegenheit zum Netzwerken bei einem Glas Wein. Der Eintritt ist frei.
Text: Sonja Lehnert






