Hessischer Journalistenpreis 2016 lobt Engagement der JournalistInnen

Frankfurt/Wiesbaden, 12. Oktober 2016 – Im Rahmen des Hessischen Journalistenpreises 2016 vergaben zum 11. Mal der DJV Hessen und die Sparda-Bank Hessen sechs Auszeichnungen. Werner D’Inka erhielt den „Preis für das bisherige Lebenswerk“.

Foto: Axel Häsler

Die zahlreichen qualitativ hochwertigen Einsendungen zum Thema „Integration von Flüchtlingen“ zeigten, dass dieses Thema in hessischen Medien durchaus noch nicht „durch“ sei, wie es Michael Weidmann, Vorstandsmitglied der Sparda-Bank Hessen, ausdrückte. Er dankte in seiner Begrüßungsrede dem täglichen und unermüdlichen Einsatz der Journalistinnen und Journalisten, die sich mit großem Engagement dem Thema widmeten.

Plätze eins bis drei und zwei Belobigungen

Den ersten Platz belegte Anne Lemhöfer, Redakteurin der Frankfurter Rundschau. Sie beschreibt den aus Aleppo stammenden Flüchtling Wael mit herausragender Qualität in elf Miniaturen und mit aussagekräftigen, für sich sprechenden Fotos. Dabei kommen die Schrecken von Krieg und Flucht ebenso zur Sprache wie glückliche Momente. Die Autorin skizziert den Weg bis zur Ankunft in einer Frankfurter Unterkunft, den Aufenthalt in einer Gastfamilie und schließlich dem Praktikum bei der Taunussparkasse.

Johannes Pennekamp von der Frankfurter Allgemeinen Woche belegte den zweiten Platz. Er porträtiert in „Flucht nach vorn“ eine Gruppe junger afrikanischer Rennfahrer. Der junge Protagonist aus Eritrea fährt gemeinsam mit anderen jungen Flüchtlingen mit dem Rad durch Deutschland. Zum einen aus Liebe zum Sport, zum anderen aber, um Dankbarkeit für die neue Heimat zu demonstrieren.  Pennekamps Text über den minderjährigen Flüchtling Habu Belom spielt mit Überraschungen. Es ist eine außergewöhnliche Sportreportage, in der die Flucht aus Eritrea nicht ausgeblendet wird und sich das Leben in Deutschland als Ausweg erweist.

Andreas Bauer vom Hessischen Rundfunk belegte Platz drei. Er hat als journalistischer Projektleiter die Multimedia-Reportage „Praxistest Integration – Flüchtlinge in Neu-Isenburg“ auf  hessenschau.de maßgeblich mitentwickelt. In diesem Rahmen entstand sein Beitrag „Warum Rudi Witzig gegen Flüchtlinge ist“. Der Journalist agiert damit humorvoll als Eisbrecher eingefrorener Einstellungen. Er hört seinen Interviewpartner an und nimmt ihn ernst. Mit behutsam eingreifenden Journalismus trägt er zur Lockerung von Vorurteilen  bei.

Das Projekt der Multimedia-Reportage auf hessenschau.de erhielt ebenfalls eine Belobigung. Weit entfernt von Klischees und eingefahrenen Perspektiven werden die Schwierigkeiten und Hindernisse der Integration ebenso beschrieben wie Erfolge und originelle Formen von Flüchtlingsarbeit. Die Aufbereitung der Inhalte überzeugte die Jury durch mediale Vielfalt sowie kluge und engagierte Arbeit. „Mit der Belobigung für diese kluge und engagierte Arbeit verbindet sich der Wunsch, dass die Redakteure der Projektgruppe auch in Zukunft mit ihrer Arbeit Zeichen setzen,“ sagte Prof. Dr. Heiner Boehncke in der Laudatio.

Eine weitere Belobigung erhielt das Team aus Redakteuren des Wiesbadener Kurier und Wiesbadener Tagblatt für die zweimal im Jahr erscheinende Zeitung „Hier in Wiesbaden – unsere Stadt leicht erklärt“. Alltagspraktisch erleichtert die Zeitung vor allem Flüchtlingen und Asylbewerbern das Einleben in der Stadt. Sympathisch und einfach werden Themen aufgegriffen, die ausländische Mitbürger bewegen. Sie präsentiert zugleich die Stadt Wiesbaden die Identität Hessens und die deutsche Kultur in einer Weise, die anspricht und erreicht. In Inhalt und Aufmachung ist die Informationszeitung beispielgebend für engagierte Integration für Flüchtlinge in Hessen.


Das bisherige Lebenswerk

Werner D’Inka, Mitherausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, hat den Ehrenpreis des Hessischen Journalistenpreises 2016 erhalten. Er wurde für das bisherige Lebenswerk geehrt. Dieter Eckart, Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung a. D., hielt die Laudatio. Er kenne den Geehrten seit 30 Jahren. Er sprach in einer persönlichen und einfühlsamen Rede von Werner D’Inka als einfallsreichem Journalist, präzisen Analytiker, perfekten Mannschaftskapitän und Motivator. Er sei ein Kenner der technischen und persönlichen Erfordernisse des Zeitungsmachens und dabei ein hochanständiger, uneitler Mensch, der all diese Eigenschaften auch noch mit einer heiteren Gemütslage vereine. D‘Inka kam 1980 von der Uni Mainz zur FAZ, hat einige Jahre im Ressort Tele-FAZ Texte gefertigt, 1984 als Redakteur im Studio der FAZ die erste Nachrichtensendung im Deutschen Privatfernsehen erlebt, wurde 1991 CvD und 2005 in das Herausgebergremium berufen. Mit dieser Auszeichnung werden Persönlichkeiten aus Hessen gewürdigt, die sich mit ihrer journalistischen Arbeit, aber auch weit darüber hinaus, Anerkennung und Beliebtheit erworben haben.
Werner D’Inka bedankte sich für die Anerkennung: „Ich freue mich sehr und bin beschämt ob der großen Ehre.“ Schmunzelnd fügte er hinzu: „Angesichts des ‚Lebenswerks‘ fragte ich mich natürlich, ach, ist es jetzt soweit.“ In seiner Dankesrede wies er klar darauf hin, dass bei aller Beliebt- und Berühmtheit von Bloggern oder Youtubern nicht  vergessen werden dürfe, dass es sich dabei nicht um unabhängige Beobachter handle. Das seien – von berufswegen – allerdings die Journalisten.

An der Preisverleihung in der Frankfurter Zentrale der Sparda-Bank nahmen etwa 100 Gäste aus Gesellschaft, Politik und Medien teil. Zur sechsköpfigen Jury zählen Hans Ulrich Heuser (Vorsitzender des Deutschen Journalistenverbandes, Landesverband Hessen), Ulrich Kienzle (Journalist und ZDF-Moderator), Hilmar Börsing (Chefredakteur des Wiesbadener Kuriers a.D.), Dieter Eckart (Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung a.D.) und Peter Hoffmann (Direktor Unternehmenskommunikation der Sparda-Bank Hessen). Jury-Vorsitzender ist Prof. Dr. Heiner Boehncke, Professor für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Universität Frankfurt.

 

Jury-Vorsitzender Prof. Dr. Heiner Boehncke, Professor für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Universität Frankfurt.Rund 100 Gäste waren bei der Verleihung des Hessischen Journalistenpreises anwesend. Michael Weidmann, Vorstandsmitglied der Sparda-Bank Hessen.
Das Team des Hessischen Rundfunks erhielt eine Belobigung für die Multimedia-Reportage „Praxistest Integration – Flüchtlinge in Neu-Isenburg“.Eine weitere Belobigung erhielt das Team vom Wiesbadener Kurier und Wiesbadener Tagblatt für die zweimal im Jahr erscheinende Zeitung „Hier in Wiesbaden – unsere Stadt leicht erklärt“.
Platz 3: Andreas Bauer vom Hessischen Rundfunk.Platz 2: Johannes Pennekamp von der Frankfurter Allgemeinen Woche.
Gewinnerin des Hessischen Journalistenpreises 2016: Anne Lemhöfer, Redakteurin der Frankfurter Rundschau.Prof. Dr. Heiner Boehncke, Werner D'Inka, Mitherausgeber der FAZ, Hans U. Heuser, Vorsitzender des DJV Hessen (v.l.n.r.).Hans U. Heuser gratuliert dem diesjährigen Preisträger Werner D'Inka.
Die 2016 Ausgezeichneten.

Werner D'Inka, ausgezeichet mit dem Preis für das bisherige Lebenswerk.

 

Alle Fotos Axel Häsler

 

 

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