Volontäre und Volontariat

Bonn/Frankfurt, September 2016 – „Frischer Wind im Volontariat“ titelte IQ – Qualität im Journalismus ihre Fachkonferenz im September in Bonn, und weiter, „Die Besten gewinnen“.

Ulrike Kaiser stellt die Ergebnisse der Umfrage unter VolontärInnen vor, bevor an den "runden Tischen" die Diskussionen beginnen.

Nach Auswertung der zuvor durchgeführten Umfrage bei 390 Teilnehmenden stehen neue Infos zu Vorbildung, Ausbildungsgang, Bezahlung, Meinungen und Perspektiven zur Verfügung ¬– und es stellt sich die Frage, sind mit den „Besten“ die besten Unternehmen, also Verlage, Sender und Redaktionen gemeint oder der journalistische Nachwuchs? Denn so gut schneidet die Volo-Ausbildung bei den Jungen nicht ab. Die Ergebnisse der Befragung sowie der Fachkonferenz sind bei initiative-qualitaet.de im Detail nachzulesen. Interessant war die Feststellung, dass im Volontariat vor allem ein stringentes System vermisst wird, das Planvolle, Begleitete, Geordnete, Überprüfbare. Der erschütternde Wunsch lautete „Wir möchten bitte ausgebildet werden“.

Umso wichtiger und längst überfällig ist deshalb die Fachkonferenz gewesen, die die Praktiker an den runden Tisch holte. In Bonn kamen Ausbilder, Leiter von Journalistenschulen, Wissenschaftler und Dozenten zusammen und sprachen an insgesamt sechs „runden“ Tischen u.a. über Abstimmungsprozesse zwischen Lernorten, über Freiberuflichkeit, über Vernetzung von Regionalverlagen, über den neuen Ausbildungstarifvertrag und über Alternativen zum Volontariat in Verlagen.

Genau der richtige Ansatz, um nah an den Auszubildenden zu bleiben und direkt verbessernd eingreifen zu können.

Hohe Anforderungen beim Hessischen Rundfunk

Ähnliches hörte man auch beim Jungjournalistentag von hr3 im Hessischen Rundfunk, ebenfalls im September, der in Frankfurt im Sender in der Bertramstraße stattfand. Die meisten der über 50 Teilnehmenden absolvierten gerade ihr Volontariat und waren zum Teil nicht mit ihrer Ausbildung zufrieden. Es müsste anders strukturiert sein, war zu hören. Ein Auszubildender nannte als Beispiel, dass sein Volontariat bald zu Ende sei und jetzt erst sein Volo-Kurs beginne.

Bei den Podiumsdiskussionen, bei denen auch der DJV mit Maurizio Gemmer (Vorsitzender Netzwerk Junge) vertreten war, kam klar heraus, wer als Volo beim Hessischen Rundfunk angenommen werden will, muss schon einiges können. Andreas Jung, der für die Volo-Ausbildung Zuständige, nahm da kein Blatt vor den Mund: „Ein Studienabschluss und Erfahrung in zwei Medienbereichen ist notwendig. Vorteilhaft sind ein Migrationshintergrund und ein Fachstudium.“ Ob das nicht eine sehr elitäre Ausbildung sei, wurde er gefragt. „Die Welt ist nicht gleich, wir wollen gute Redakteure haben,“ antwortete er. So hohe Anforderungen und dann doch nur die Aussicht, als Freie/r arbeiten zu können? Diese Misere sprach Maurizio Gemmer an und erhielt Zustimmung bei den Teilnehmenden, die es durchaus kritisch sahen, dass „Fach“-Leute bei den Medien wesentlich weniger verdienen als in anderen  Branchen.

Konsens war, dass es auf die Leidenschaft ankomme, Dinge zu tun, die Spaß machten. Gemmer merkte an, dass ein Print-Volo – bei aller Trimedialität – noch immer eine sehr gute Basis für den Berufsstart sei.

Am Nachmittag konnten Teilnehmenden die Praxis im Rundfunkalltag kennenlernen: Matthias Münch ließ im Studio eine Sendung moderieren, Bärbel Schäfer leitete zur Interview-Praxis an und Mike Nowak, Leiter des Programmmanagements, erklärte in der aktuellen Planungssitzung was ein relevantes Radiothema ist.

 

Moderator Thomas Wolff im Gespräch mit Jan Vorderwülbecke, Programmleiter hr3, Christian Brost Teamleitung hr3-Musik, und Manuel Brandt, Leiter hr3-Wort (v.l.n.r.)Über die "eierlegende Wollmilchsau" sprechen Maurizio Gemmer, DJV Netzwerk Junge, Sebastian Gehrlein, Leitung Crossmedia hr3, und Andreas Jung, Aus- und Fortbildung im hr (v.l.n.r.)

Mathias Münch (Mitte) leitet im Studio die Moderation an.

alle Fotos: Sonja Lehnert

 

 

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