Journalistin bei Demonstration verletzt

Wiesbaden, 1. November 2016 – Rund 3.000 Demonstrantinnen und Demonstranten zogen am vergangenen Sonntag durch Wiesbadens Innenstadt. Dabei kam es zu mehreren Zwischenfällen, bei denen auch eine Journalistin der Frankfurter Rundschau verletzt wurde.

Die Kreuzung Bahnhofstraße/Rheinstraße wurde zum neuralgischen Punkt. Foto: Sebastian Stenzel

Zu einer „Demo für alle“ hatte ein rechtes Bündnis aufgerufen, um gegen den neuen Lehrplan für Sexualerziehung zu demonstrieren, der seit Beginn des Schuljahres an allgemeinbildenden und beruflichen Schulen in Hessen gilt. Eine Gegendemonstration war ab mittags ebenfalls unterwegs und bewegte sich vom Bahnhof  in Richtung Dernsches Gelände. Rund 100 Organisationen hatten zu diesem „Bündnis für Akzeptanz und Vielfalt“ aufgerufen.

An der Kreuzung Bahnhofstraße/Rheinstraße hatte die Polizei den Zugang zur Rheinstraße abgesperrt, da man von hier zum Luisenplatz gelangen konnte. Ab 14 Uhr sollte dort der Kundgebungsort der „Demo für alle" sein. Katja Thorwarth, die für den Live-Ticker der Frakfurter Rundschau über das Geschehen berichtete, stand vor der Absperrung, als aus einem Teil des Demonstrationszuges eine Konfettibombe abgeschossen wurde und für Panik sorgte. Ein Teil der Demonstranten bewegte sich daraufhin in Richtung der Polizei. Die Journalistin hatte keine Möglichkeit mehr zu reagieren, da die Polizisten sie von hinten umrannten und sie zu Boden stürzte. Als sich die Lage etwas beruhigte, half ihr eine Demonstrantin und brachte sie an den Straßenrand. Schließlich wurde sie von Sanitätern versorgt und zur weiteren Behandlung ins Krankenhaus gebracht. Außer einem tiefsitzenden Schock erlitt sie Verletzungen, durch die sie für die nächsten Wochen auf Krücken angewiesen ist.

Das Polizeipräsidium Westhessen schickte umgehend Genesungswünsche per Twitter. Von dessen Pressestelle war gestern zu erfahren, dass aufgrund des Vorfalls mit der Führungsebene verstärkt diskutiert werde, wie in Zukunft solche Situationen zu entschärfen seien. Zur Lösungsfindung und Beurteilung sollten auch die betroffene Journalistin sowie weitere Kolleginnen und Kollegen zu Rate gezogen werden.


Zum Hintergrund

Das Ziel der Sexualerziehung ist, Schülerinnen und Schülern ein offenes, diskriminierungsfreies und wertschätzendes Verständnis für die Verschiedenheit und Vielfalt der partnerschaftlichen Beziehungen, sexuellen Orientierungen und geschlechtlichen Identitäten in unserer Gesellschaft zu vermitteln. Die Sexualerziehung soll überdies die gesellschaftlichen Realitäten berücksichtigen und wertegebunden sein.
Gegenstand der Sexualerziehung in Schulen soll die Vermittlung von Wissen über die Existenz unterschiedlicher Partnerschaftsformen und Verständnisse von Familie, sexuellen Orientierungen und geschlechtlichen Identitäten und deren Akzeptanz sein. (Quelle: Lehrplan Sexualerziehung, 19. August 2016)
Hinter dem Bündnis „Demo für alle“ stand der Vorwurf, Kinder würden durch den neuen Lehrplan viel zu früh mit dem Thema Sexualität im Unterricht belästigt und „Sexualität in allen Varianten“ würde der heterosexuellen Ehe gleichberechtigt dargestellt werden.

Archiv bis Oktober 2013

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