Der Vorsitzende des Bezirksverbands, Klaus P. Andrießen, konnte zwar den verhinderten Landesvorsitzenden Hans Ulrich Heuser, der Mitglied im Bezirksverband Lahn-Dill ist, nicht persönlich für seine 50-jährige Mitgliedschaft ehren - erwähnt wurde diese beeindruckende Zeitspanne allemal. Eine Ehrung für ihre 25-jährige Mitgliedschaft nahm Regina Tauer entgegen. Die Nachrichtenredakteurin der Wetzlarer Neuen Zeitung war aus Baden-Württemberg nach Mittelhessen gekommen, um die Marburger Neue Zeitung mit aufzubauen. Mittlerweile ist sie in der Mantelredaktion im Haupthaus der Zeitungsgruppe Lahn-Dill in Wetzlar tätig. Andrießen wünschte ihr „viel Kraft für die nächsten 25 Jahre!"
Der Vorsitzende des Bezirksverbandes erinnerte daran, dass vor einem Jahr - zeitgleich mit dem Verbandstag des DJV Hessen in Wetzlar - die Wetzlardruck GmbH aus dem Tarifvertrag für Zeitungsredakteure sowie den Tarifverträgen auch für nicht journalistisch beschäftigte Mitarbeiter ausgetreten sei. „Wir haben das beklagt, der Verbandstag hat auch eine Resolution gegen die Tarifflucht verabschiedet. Doch dann ist es ganz ruhig geblieben", sagte Andrießen. Die Kollegen mit den „Altverträgen" seien erst einmal froh, diesen Stand für sich in stürmischen Zeiten auf dem Arbeitsmarkt für Journalisten halten zu können. Es werde aber die Zeit kommen, dass die Kollegen erkennen würden, dass sie für bessere Löhne und Arbeitsbedingungen kämpfen müssten.
Nicht nur bei den Festangestellten hätten sich die Dinge in den vergangenen zwölf Monaten nicht so gut entwickelt - auch für die freien Journalisten haben sich Hoffnungen auf Einkommensverbesserungen durch neue Verträge mit Wetzlardruck zerschlagen. Einige hätten deshalb um eine Beratung beim Geschäftsführer des DJV Hessen, Achim Wolff, gebeten.
Der Jurist war zur Jahreshauptversammlung nach Wetzlar gekommen, und beklagte, dass einige Verleger in Hessen durchaus fragwürdige Verträge an freie Journalisten austeilten. In manchen Fällen rate er den Kollegen dabei, das Papier nicht zu unterzeichnen. In anderen habe er in Verhandlungen Verbesserungen für die freien Mitarbeiter erzielen können. Vom Stand der Tarifverhandlungen konnte Wolff nicht viel erzählen, denn nach außen dringe derzeit wenig - ein Termin für die Fortsetzung stehe noch nicht fest.
Andrießen sagte, die sogenannte Glaubwürdigkeitskrise beschäftige die Branche sehr. So sei eine Kollegin bei einem Routine-Einsatz mit „Lügenpresse"-Vorwürfen konfrontiert worden. Auch nähmen hasserfüllte Anrufe von Lesern zu, berichtete Andrießen. Auf der anderen Seite gelte es aber auch, „vor der eigenen Haustüre zu kehren", mahnte der Vorsitzende. Recherche müsse sorgfältig und umfassend sein, die Darstellung sachlich und transparent. Auch Meinungsartikel sollten begründet und nachvollziehbar sein. Zuden gelte es, auf Augenhöhe mit den Lesern zu kommunizieren, auf welchem Kanal auch immer.
Dies leitete über in ein Referat von Angela Heinemann vom Ortsverband Marburg. Die freie Journalistin und Öffentlichkeitsarbeiterin erkundete, welche Chancen sich für Journalisten durch das soziale Netzwerk Facebook bieten. Neben eher technischen Aspekten wie Anmeldung und Profilgestaltung ging es dabei auch um mögliche Anwendung bei der Recherche sowie die Eigendarstellung über diesen Kanal. (br)

