Echo Medien in der Verlagsgruppe Rhein-Main

Darmstadt, 28. Juni 2016 - Die Übernahme jährte sich vor wenigen Tagen – Zeit für eine Bilanz. Am 16. Juni 2015 meldete die Verlagsgruppe Rhein-Main den Kauf der Echo Medien GmbH beim Bundeskartellamt in Bonn an. Eine Bestandsaufnahme von Dr. Christine Dressler.

Neues Domizil des Darmstädter Echos: Alleehaus in der Berliner Allee 65. Fotos: VRM

Im August 2015 war es soweit: Nach dem „Gießener Anzeiger“ mit allen Kopfblättern übernahm die VRM das „Darmstädter Echo“ samt „Groß-Gerauer Echo“, „Odenwälder Echo“ „Ried Echo“ und „Starkenburger Echo“, Südhessischer Logistik-Service GmbH & Co. KG und dem Anzeigenblatt „Südhessen Woche“. Nur zu einer Lokalausgabe bei der geplanten Unternehmenstransaktion sagte das Kartellamt nein: Das „Rüsselsheimer Echo“ musste die VRM an die „Frankfurter Neue Presse“ abgeben.

Durch die „Echo“-Integration gehört die VRM jetzt zu den größten Verlagsgruppen Deutschlands. Allein mit ihren 29 Tageszeitungen in Rhein-, Mittel- und Südhessen erreicht sie neben 1,5 Unique Usern und mehr als 200.000 Social Media Followern knapp eine Million Leser. Der Abo-Anteil beträgt rund 91 Prozent an der verkauften Auflage von nun 295.806 Exemplaren.

Den Kauf löste die allgemeine Branchenentwicklung aus. Das erklärte Hans Georg Schnücker, Sprecher der VRM-Geschäftsführung, im Juni 2015: Um die publizistische Vielfalt in Südhessen und das „Echo“ zu erhalten, hatten beide Verlage Kooperationsgespräche geführt. Denn das „Echo“, das seit 2010 mit der VRM das Druckzentrum Rhein-Main in Rüsselsheim betreibt, steckte in wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Diese löste auch der im September 2014 gestartete Sanierungsprozess nicht. Als die VRM das „Echo“ im August 2015 übernahm, hatten es bereits 130 der rund 350 Mitarbeiter verlassen. Zudem stand fest, dass 20 weitere Verträge zum Jahresende auslaufen.

Eine gute Perspektive

Froh „über die Zustimmung des Kartellamts“ hieß Schnücker öffentlich „Echo Medien und seine Mitarbeiter“ im VRM-Konzern „herzlich willkommen“. Zugleich Vorsitzender im Verband der Hessischen Zeitungsverleger garantierte er der Region „auch in Zukunft eine starke, unabhängige publizistische Stimme“ und den noch rund 200 „Beschäftigten eine gute Perspektive“. Schnücker hielt Wort: Ein Großteil der Mitarbeiter arbeitet weiterhin für die VRM. Da „wichtige wirtschaftliche Weichenstellungen erfolgt“ seien, hoffte Schnücker, dass „Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit sowie Qualitätsjournalismus“ in Zukunft „noch besser und nachhaltiger gelingen“.

Dafür strukturierte die VRM gleich im August 2015 die Führung um. Sie stellte Dr. Hans-Peter Bach von der Echo-Verleger-Familie ihren Bereichsleiter Projekte-Organisation-Prozesse Kurt Pfeiffer, der das Gesamtprojekt für die VRM leitete und auf diese Weise ausreichend Gelegenheit hatte, das Echo kennenzulernen, als weiteren Geschäftsführer zur Seite. Umgekehrt wechselte Carl Englisch, 46, von der Echo-Geschäftsführung in die der VRM-Tochter MRM. Den „Echo“-Chefredakteur Dr. Michael Horn löste wiederum Lars Oliver Hennemann, 48, ab, der bisher Stellvertreter von Stefan Schröder beim „Wiesbadener Kurier“ und Friedrich Roeingh bei der „Allgemeinen Zeitung“ war. Wie Dr. Horn verließ die „Echo“-Verlagsleiterin Frédérique Seminara das Haus.

Wirtschaftliche Stabilisierung

„Das ambitionierte Projekt wurde durch den engagierten Einsatz aller Beteiligten ein voller Erfolg“, sind sich Pfeiffer und Hennemann, die nun beide Häuser kennen, mit der VRM-Leitung einig. „Dabei fand die VRM eine äußerst herausfordernde Ausgangssituation vor“, erklärt Pfeiffer, dass Echo-Medien trotz fast 50 Prozent Personalabbau per Outsourcing-Konzept, Neun-Millionen-Euro-Sozialplan und Transfergesellschaft nur durch die Übernahme „wirtschaftlich zu stabilisieren“ war. Bereits im Januar erhielt die VRM den Zuschlag für die ausgeschriebenen Dienstleitungen und startete das Migrationsprojekt „Echo Medien“. Daran beteiligte sie neben rund 150 Mitarbeitern beider Häuser externe Spezialisten, um vor allem IT-Systeme und Echo-Prozesse in die VRM-Abläufe zu integrieren.

Seit August 2015 kümmere sich die VRM komplett um „Finanz- und Rechnungswesen, Personalabrechnung, Controlling, Anzeigeninnendienst, Leser-Service und Verlagsproduktion“, sagt Pfeiffer und Hennemann ergänzt: „Die Mantelseiten für überregionale Politik und Wirtschaft werden am zentralen Newsdesk der VRM in Mainz nach Vorgaben der Darmstädter Chefredaktion gefertigt und regionalisiert.“ Da auf ihnen die lokalen und regionalen Elemente „für den Charakter und die Blattkonzepte des Echo prägend sind“, planen und recherchieren sie Vor-Ort-Teams in Darmstadt und Südhessen nach Absprache der Chefredaktionen beider Häuser.

Crossmedial produziert werden am neuen Newsdesk in Darmstadt auch alle lokalen und regionalen Inhalte. „Die Seitenumfänge sind nirgendwo reduziert worden“, betont Hennemann. „Im Gegenteil“ rückte die VRM mit der Übernahme „die lokale Kompetenz wieder stärker ins Blickfeld“ und machte Sanierungsziele wie die Zentralisierungen der lokalen Redaktionssekretariate und regionalen Sportredakteure rückgängig.

Neue Räume

Dazu loben die Mitarbeiter das neue „lichtdurchflutete, teambildende und kommunikationsfördernde“ Redaktionsgebäude „Alleehaus“ in Darmstadt, das Tageszeitungs- und Gratismedien-Redaktionen, die zum 1. Januar einheitlich konzipierte Werbevermarktung, Lesermarkt und Management Mitte März 2016 bezogen. Es biete „beste Arbeitsbedingungen“. Ende 2015 verkaufte die VRM das alte, überdimensionierte Verlagsgelände an der Holzhofallee und verwandelte die 2.200-Quadratmeter-Etage in der benachbarten Berliner Allee zur „Open Space“-Bürolandschaft mit Zugang zum Hochschul-Campus und Nachbarunternehmen.

Mit dem Umzug führte die „Echo“-Redaktion auch das Editoren-Reporter-Prinzip an den neuen Newsdesks ein, mit dem die VRM an ihren anderen Standorten seit zehn Jahren arbeitet – „sehr erfolgreich“, sagt Hennemann. Dabei helfen den Editoren, die sich bereits beim intensiven Vorab-Training kennenlernten, „moderne Arbeitsmittel wie das Planungswerkzeug DeskNet und das Milenium-Redaktionssystem von Protec. Dazu profitiert das „Echo“ von der Erfahrung der VRM-Werbevermarktung und ihrer Mediaberater ebenso wie von Innovationen wie der Einführung der preisgekrönten Kinderzeitung „Kruschel“, die mittlerweile auch in Darmstadt erscheint.

„Keine Seite bereut die Übernahme“, betonen Echo-Medien- und VRM-Leitungen einig. „Im Gegenteil“ sehen sie „schon heute die Erwartungen“ aus der Übernahme „erfüllt“ – sowohl „wirtschaftlich“ als auch „im Hinblick auf zukunftssichere Arbeitsplätze mit positiver Perspektive“. Dazu lobt die VRM „die motivierten Mitarbeiter der Echo-Medien, die die Region, die Kunden und das Tagesgeschäft kennen“.

Statements der Mitarbeiter

Umgekehrt sehen die Mitarbeiter heute die Übernahme positiv. „Mit der Integration des 'Echo' in die VRM habe ich in erster Linie die Hoffnung verbunden, dass die Zeit der Entlassungen, Umstrukturierungen und Ungewissheiten ein Ende hat“, sagt Annette Wannemacher-Saal, die 1987 vor fast 30 Jahren als Volontärin beim „Echo“ anfing. Seit 1989 arbeitet sie als Redakteurin in der Darmstädter Stadtredaktion. „Erfüllt“ sieht sie ihre Hoffnungen bis hin zu den neuen Räumlichkeiten. „Die Büros im neuen Gebäude liegen nur wenige Meter vom ehemaligen Echo-Firmensitz entfernt; sie wurden auf die Bedürfnisse der Kollegen maßgeschneidert und sind modern ausgestattet.“ Auch das beweise, „dass die VRM an das 'Echo' glaubt“, sagt Wannemacher-Saal. Das stimme sie „zuversichtlich“, dass sich jetzt alle nach der Umstrukturierungsphase „wieder auf unsere Kernaufgabe, den Journalismus, konzentrieren können und damit unseren Beitrag dazu leisten, dass unsere Zeitung eine Zukunft hat.“

Das bestätigt Christina Kolb von der Lokalredaktion Darmstadt-Dieburg. Seit 20 Jahren ist sie Angestellte der Echo Medien und war bereits neben dem Studium für den Verlag als Freie Mitarbeiterin tätig. Nach ihrem Volontariat arbeitete sie in der Wirtschaftsredaktion, bei Echo Online und in der Kinder-Echo-Redaktion, bevor sie in die Landkreisredaktion wechselte. „Für mich persönlich, das heißt bezüglich meiner Beschäftigungssituation, hat sich seit der Übernahme durch die VRM nicht viel verändert“, erklärt Kolb. „Ich arbeite – wie auch in den vergangenen sechs Jahren – in der Lokalredaktion Darmstadt-Dieburg.“ Zudem liefere sie den Kollegen aus Mainz wöchentlich die Veranstaltungstipps aus Darmstadt und der Region für die Kinderzeitung „Kruschel“. Erst recht seit dem Umzug im März „ist die Stimmung, die zuvor von zahlreichen Unsicherheiten bestimmt war, insgesamt endlich wieder positiv“. Kolb geht davon aus, dass dank der Übernahme „unsere Arbeitsplätze mittelfristig gesichert(er) sind“ und betont: „Die VRM ist ein großer, etablierter Verlag, der vielen Regional- und Lokalzeitungen eine Heimat bietet.“

„Mein Eindruck ist insgesamt positiv“, sagt Ressortleiter Johannes Breckner von der „Echo“-Kulturredaktion, die 2010 den Darmstädter Journalistenpreis gewann. Er betont, dass der Umbau erst jetzt komplett vollzogen ist, er also noch kein definitives Fazit ziehen kann. „Aber mit der Umstrukturierung habe ich die Hoffnung, dass das „Darmstädter Echo“ wieder eine Zukunft hat und wirtschaftlich stabil arbeiten kann. Denn das war ja seit Jahren nicht mehr der Fall, und jetzt steht ein starker Verlag mit großer Erfahrung hinter uns. Wir haben zwar jetzt erheblich weniger Personal – statt fünf sind wir heute drei Redakteure –, aber durch die Trennung in Editoren und Reporter hat sich auch die Arbeitsweise radikal geändert.“ Sorge macht Breckner, wie weit Bewährtes erhalten werden kann: „Wir hatten im 'Darmstädter Echo' immer eine große Kultur der Mitsprache; die kam in den letzten Monaten zu kurz, auch durch das ambitionierte Tempo der Umstrukturierung. Letztlich glaube ich, dass der Erfolg bei den Lesern davon abhängt, wie stark wir unser redaktionelles und regionales Profil bewahren können.“

Die VRM-Produktion

Die VRM produziert 29 Tageszeitungen für bis zu 930.000 Leser in Hessen und Rheinland-Pfalz: die „Allgemeine Zeitung“ in Mainz, Alzey, Ingelheim, Bingen und Bad Kreuznach, „Landskrone“ und „Rhein-Main-Anzeiger“, „Darmstädter Echo“ mit „Groß-Gerauer Echo“, „Odenwälder Echo“ „Ried Echo“ und „Starkenburger Echo“, „Main-Spitze“, „Wormser Zeitung“, „Wiesbadener Tagblatt“ mit „Rheingauer Bürgerfreund“, „Aar-Bote“ und „Idsteiner Zeitung“, „Wiesbadener Kurier“ mit „Untertaunus“-, „Rheingau“- und „Main-Taunus-Kurier“, die „Lampertheimer Zeitung“ und „Bürstädter Zeitung“ neben dem „Gießener Anzeiger“ mit „Gelnhäuser Tageblatt“, „Kreis-Anzeiger“, „Lauterbacher Anzeiger“, „Usinger Anzeiger“ und „Oberhessischer Zeitung“.

Außerdem entstehen wöchentlich die „Hochheimer Zeitung“ und zweimal pro Woche die „Hofheimer Zeitung“ als Heimatzeitungen, die Wochen- oder Monatsmagazine „pepper“, „sensor“, „Unser Rheinhessen“, „Unser Genuss“, „Unsere Geschichte“ und „CampusLeben“, die Kinderzeitung „Kruschel“ und Dutzende Anzeigenblätter.

Dazu hält die VRM Beteiligungen von Druck und Hörfunk über das Digitalgeschäft bis hin zur Logistik an rund 20 Häusern wie Radio RPR, Hit Radio FFH oder den Kirchenzeitungen „Glaube und Leben“, „Der Sonntag“ und „Bonifatiusbote“ der Bistümer Mainz, Limburg und Fulda. Außerdem beteiligt sie sich an Startups, vor allem aus dem Digitalbereich, um neue Erlösmodelle zu identifizieren und das Kerngeschäft zu sichern.

Die VRM-Geschichte

Im Juni 2016 ist die VRM 166 Jahre alt. Denn sie wurzelt im „Straßen-Anzeiger“, den Josef Gottsleben in einer Mainzer Realschule produziert und der erstmals am 29. Juni 1850 erscheint. 1899 bezieht der mittlerweile umbenannte „Mainzer Anzeiger“ das Domizil in der Großen Bleiche und heißt ab 1947 „Allgemeine Zeitung“ mit zwei Regionalausgaben. 1949 kommen vier weitere Bezirksausgaben dazu, geht aus der AZ die im Lauf der 50er Jahre abgegebene „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ hervor und schließen sich das „Darmstädter“ und das „Wiesbadener Tagblatt“ der AZ an. Das Verbreitungsgebiet reicht von der Saar bis zu Taunus, Hunsrück und Odenwald. 1952 übernimmt die AZ den „Aar-Boten“ in Bad Schwalbach“, die „Idsteiner Zeitung“ und den „Rheingauer Bürgerfreund“. 1963 kauft die AZ den 1945 gegründeten „Wiesbadener Kurier“ auf, 1970 die „Rheinhessische Landeszeitung“ in Oppenheim und nach der Gründung der „Pfungstädter Zeitung“ 1971 die „Main-Spitze“ in Rüsselsheim 1972. Die 80er prägen Druckereigründung und Beteiligungen am Privatrundfunk. Ab 1992 firmiert die AZ als „Verlagsgruppe Rhein-Main“. 1994 übernimmt sie die „Lampertheimer Zeitung“ und errichtet das neue Verlagsgebäude in Marienborn, bevor der „Kurier“ 1999 nach 56 Jahren in die Wiesbadener Langgasse 56 zurück- und das „Tagblatt“ dort mit einzieht. Parallel zum E-Paper-Start 2003 beteiligt sich die VRM unter anderem am 1750 als dritte Zeitung Deutschlands gegründeten „Gießener Anzeiger“ und übernimmt ihn 2014 komplett. Den 2009 neu konzipierten Onlinediensten für alle Zeitungsmarken und dem Start der Magazine mit „Sensor“ 2010 folgen 2011 die Einweihungen des Mainzer Stadtredaktionshauses und des Druckzentrums Rhein-Main in Rüsselsheim, in dem auch das „Darmstädter Echo“ entsteht. 2012 gibt die VRM als erste Zeitungsgruppe in Deutschland mit „Kruschel“ eine kostenpflichtige Wochenzeitung für Kinder heraus. Seit 2014 erscheinen Magazine als Zeitschriften im Handel. Mit dem „Echo“-Kauf 2015 ist das Druckzentrum Allein-Tochter der VRM.

Text: Dr. Christine Dressler
Fotos: VRM

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