Die traditionsreiche Ausstellung, die jährlich in der Landesvertretung zu Gast ist, stieß wieder auf ein reges Interesse bei allen geladenen Gäste. In diesem Jahr waren es nicht nur die etwa 80 Fotos der Pressefotografen, die schon vor Veranstaltungsbeginn Besucherinnen und Besucher zum Rundgang einluden. In einer Diskussionsrunde fragte Moderatorin Julia Held vom ZDF: „Weniger Personal und Geld, aber mehr Qualität – lügt sich die Medienbranche selbst in die Tasche?“, ein Thema, dass im Medienumfeld seit langem diskutiert wird, in der Öffentlichkeit bisher aber wenig Beachtung gefunden hat. Malte Krückels, Bevollmächtigter des Freistaats Thüringen beim Bund, eröffnete den Abend und diskutierte im Anschluss mit in der Runde.
Anita Grasse, Landesvorsitzende des DJV Thüringen, nahm in ihrer Begrüßungsrede engagiert Stellung zum Berufsalltag der Pressefotografinnen und -fotografen. Sie fand einen eindrücklichen Vergleich, den Anwesenden die prekäre Lage der Pressefotografen zu verdeutlichen. „Stellen Sie sich vor, Ihr Zahnarzt teilt Ihnen mit, er würde Sie jetzt auch als Augenarzt behandeln,“ sagte sie und schlug damit den Bogen zur Situation, der sich sowohl die Fotografen als auch die Journalisten ausgesetzt sehen. Diejenigen, die schreiben, sollen auch Fotos machen und die, die fotografieren auch schreiben. Welchen Einfluss habe das auf die Qualität der Arbeit, fragte die Landesvorsitzende und fuhr fort, dass Kollegen ebenso wie Leser unter diesem Qualitätsschwund, wenn Informationen nicht mehr professionell vermittelt würden, zu leiden haben. „Schlimmstenfalls leide auch die Demokratie,“ sagte Anita Grasse.
Nach diesem Plädoyer für einen professionellen Fotojournalismus und dem Aufruf: „Kolleginnen und Kollegen, gebt nicht auf – nicht euch und nicht den Qualitätsjournalismus“, war es ein Leichtes, in die Diskussion einzusteigen.
Prof. Dr. Frank Überall, Bundesvorsitzender des DJV, Malte Krückels, Bevollmächtigter des Freistaats Thüringen beim Bund, Stefan Schröder, Chefredakteur Wiesbadener Kurier, Hans-Dieter Hillmoth, Geschäftsführer Hit Radio FFH, und Jörg Quoos, Chefredakteur in der Zentralredaktion der Funke Mediengruppe, diskutierten mit Julia Held. Wie man trotz Sparens die Qualität halten könne, wollte die Moderatorin wissen. Die Antworten waren eindeutig. Durch Zusammenschluss könne man das hervorheben, was den Lesern wichtig sei, ob es sich um das Lokale oder um Spezialisten vor Ort handle. „Wir wollen kein Mittelmaß,“ bestätigte Quoos, denn die Leser bestimmten über die Qualität und kündigten ihre Abos, wenn sie diese nicht mehr erhielten. Guter Journalismus hänge von guten Fachleuten ab. „Wir suchen händeringend gute Redakteure, die das journalistische Handwerkszeug beherrschen,“ sagte Hillmoth und fügte hinzu, dass der Journalismus große Chancen für Profis biete.
Es werde auch in der Politik über alternative Bezahlmodelle diskutiert, beantwortete Krückels die Frage nach neuen Bezahlformen, zum Beispiel in Form von Stiftungen. Doch eins sei immer vorrangig, dass die Medien unabhängig blieben. Dass sich aber „schwere Tanker“ langsam bewegten, gab Überall zu bedenken. „Für die Umsetzung mancher Ideen braucht man allerdings nicht mehr viel Geld, man braucht aber Kompetenz,“ fügte er hinzu.
Nach einem Rundgang durch die Ausstellung wurde die Dachterrasse der Landesvertretung geöffnet. Bei Jazz, Soul und Pop der Berliner Band „Vocal Invitation“, einem kleinen Imbiss, Getränken und einem beeindruckenden Sonnenuntergang klang der Abend aus.
Die Ausstellung wird bis zum 26. August in der Vertretung des Freistaats Thüringen beim Bund zu sehen sein. Der Eintritt ist frei.
![]() | ![]() | ![]() |
![]() | ![]() | ![]() |
![]() | ![]() | ![]() |
![]() | ![]() | ![]() |
![]() | ![]() | ![]() |
![]() | ![]() | Fotos: Sonja Lehnert |






















