Wir müssen Digitalisierung noch lernen

Wiesbaden/Köln, 25. September 2017 – Rund 200 Journalistinnen und Journalisten trafen sich am 23. September in Köln zur DJV-Tagung Besser Online. Dabei standen unter zahlreichen Themen vor allem der Austausch untereinander, die Nutzung neuer Technologien und Rechtsextremismus im Netz im Mittelpunkt.

Fotos: Sonja Lehnert

Lina Timm, die Leiterin des Media Lab Bayern, formulierte in ihrem Impulsreferat, dass auch Verlage die Digitalisierung lernen müssten und durchaus einiges von Start-ups lernen könnten.

16 einstündige Panels und die Präsentation von Start-up Ideen rissen unterschiedlichste Themen an, mit denen sich die Teilnehmenden intensiv beschäftigen oder sie als Anstoß für eigene Recherchen nutzen konnten. Recherche in sozialen Netzwerken und wie deren Aussagen verifiziert werden, hatte, wie andere Workshops auch, einen hohen praktischen Wert. Weitere Panels lieferten Beispiele, wie mit journalistischen Formaten Geld verdient oder Ideen generiert werden können. Ein großer Vorteil der Veranstaltung war die Teilnahme von jungen wie gestandenen Kolleginnen und Kollegen. Die Diskussionen sowohl während der Workshops als auch in den Pausen zeigten, dass das Netzwerken  funktionierte. Sie eröffneten Wege, voneinander zu lernen. Eines der Beispiele war das Werkstatt-Angebot „Hackathons als Impulsgeber für Medienhäuser?“. Das Format, bei dem Entwickler und Designer zusammenkommen, wird oft von Unternehmen genutzt, die nach Ideen und deren Entwicklern suchen. Der Mittelbayrische Verlag in Regensburg hatte das Format ausprobiert und zusätzlich Journalisten für die Teams hinzugezogen. Ein Hackathon beginnt Donnerstag- oder Freitagabend mit den Pitchs, die im Laufe des Wochenendes realisiert und zum Schluss präsentiert werden. 

Noch während der Mittagspause stellten sich Start-ups und Projekte wie „Dialog Milch“ vor. Die Präsentationen boten den Teilnehmenden die Gelegenheit, mit den Praktikern ins Gespräch zu kommen. Ebenso wurde über die Rolle des Journalismus diskutiert, dabei fragte die Neurowissenschaftlerin Dr. Maren Urner nach den Aufgaben der Medien. Prof. Dr. Hektor Haarkötter vertrat in der Diskussionsrunde die Meinung, dass die „Wissensresourcen kostenlos zur Verfügung stehen müssen und dieser ‚Grundschatz‘ frei zugänglich sein muss.“ Er sprach sich für die Finanzierung von Medien durch die Öffentlichkeit, zum Beispiel in Form von Stiftungen, aus. Eine andere Meinung vertrat Manuel Conrad vom „Mekurist“, der als Ökonom davon ausgeht, dass (Regional-)Journalismus Geld bringen kann.

Die Diskussion beim Abschlusspodium verdeutlichte, dass es für die Nutzer der unterschiedlichsten Quellen in den sozialen Netzwerken deutlich schwieriger werde, Nachrichten auf ihren Wahrheitsgehalt hin zu überprüfen. Darum, so Lina Timm, sei es wichtig, dass die Nähe von Journalisten und  Lesern bzw. den Nutzern gefördert werde. Gerald Hensel von Fearless Democracy ging sogar so weit zu sagen, dass viele der jungen Menschen nicht mehr unterscheiden könnten, welche Nachrichten oder Medien wichtig und vertrauenswürdig seien. Der DJV-Vorsitzende Frank Überall unterstrich deshalb, wie wichtig es sei, dass Journalistinnen und Journalisten ihr Handeln und ihren Beruf transparent darstellten.

Archiv bis Oktober 2013

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