Im Verlagsgebäude der Süddeutschen Zeitung diskutierten rund 260 Medienfrauen zwei Tage lang über Chancengleichheit, Sexismus und Netzwerke im Mediengeschäft. Sechs Workshops vertieften u.a. Kenntnisse bei Honorarverhandlungen, der Nutzung von Instagram oder der Nutzung von Design Thinking im Unternehmen.
In ihrer Keynote fragte Silke Burmester, Medienjournalistin und Redaktionsleiterin der „Die Dame“, warum Brusthaare zu haben dafür ausreiche, mehr zu verdienen als die Kollegin und fast immer vor ihr den Platz in der Führungsebene zu ergattern. Sie nannte ihr Statement „den Ritt auf der Schildkröte“, den die Journalistinnen vollführten und forderte, dass nicht Wohlwollen, Verständnis und der Zeitgeist Chancengleichheit ermöglichten, sondern, dass es selbstverständlich sein müsse, Frauen und Männern gleiche Chancen für Karriere und Verdienst einzuräumen.
In der nachfolgenden Diskussion verdeutlichten Rebecca Beerheide, Vorsitzende des Journalistinnenbunds, Maren Weber, Vorsitzende ProQuote Medien, und Minou Amir-Sehhi, Vorsitzende DJV-Chancengleichheit und Diversity, wie wichtig die Zusammenarbeit der verschiedenen Verbände sei, um mit Nachdruck Forderungen stellen zu können.
Das sei vor allem bei der Forderung nach gleicher Bezahlung nötig. Ein Hebel sei das Nachdenken über gleiche Bezahlung. Seit dem 6. Januar 2018 haben Beschäftigte in Betrieben mit mehr als 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern den Auskunftsanspruch über die Entgeltstrukturen ihres Unternehmens informiert zu werden. Der Hasenfuß sind die 200 Beschäftigten, deren Zahl zum Beispiel die Lokalzeitungen nicht erreichen. In anderen Ländern gibt es den Gender Pay Gap, der offenlegt, wer wie viel verdient. Bei der Financial Times beispielsweise verdienten Männer im Schnitt 22,4 Prozent mehr als ihre Kolleginnen.
Mit oder ohne Männer?
Am Tag 2 bei Frau Macht Medien sprachen Fachfrauen über Theorie und Praxis. Bascha Mika, Chefredakteurin der Frankfurter Rundschau, bestätigte, dass Veränderungen in der Praxis zäh seien. Sie sei erst mit knapp 60 Jahren Chefredakteurin der FR geworden. Das sei ungewöhnlich, denn normalerweise sei für Frauen ab 50 Aufstiegsende. Trotzdem werfe sie nicht einfach gute Männer raus, sie habe aber ein paar Frauen in Führungspositionen hinzugenommen. Auch im Privaten seien Veränderungen schwer, noch immer gäbe es die typischen Rollenmuster.
Von einem Vorschlag von Prof. Dr. Elizabeth Prommer angeregt, entstand die praktikable Idee, die Expertenkarteien in Redaktionen upzudaten und dort Frauen zu hinterlegen - ganz nach dem Motto „sage nie deinen Podiums- oder Moderatorinnenplatz ab, ohne eine andere Frau dafür vorzuschlagen."
Ein spannender Punkt, der bereits am ersten Tag zur Sprache kam, wurde zum Abschluss zur Abstimmung gestellt: Das Meinungsbild zu der Frage, ob die nächste Konferenz für Männer geöffnet werden solle, ergab eine knappe Mehrheit.








